#1 Artenschutz – Ursachen und Lösungen Erstellt von der LsV Fachgruppe Biodiversität und Insekten von Straßberger, Roland 23.11.2020 09:23

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Artenschutz – Ursachen und Lösungen

Erstellt von der LsV Fachgruppe Biodiversität und Insekten

Gliederung

1. Einleitung
2. Geschichte
3. Datenermittlung zum Bericht zum Zustand der Natur
4. Rote Liste
5. Problem Rückgang der Pflanzenvielfalt
6. Problem Rückgang der Vogelvielfalt
7. Problem Rückgang der Insektenvielfalt und der Masse
8. Problem Wolf
9. Naturschutzgebiete: Bedeutung für den Artenschutz
10. Maßnahmen zum effektiven Naturschutz

1. Einleitung
Die Umweltministerin, Frau Schulze, hat im April 2020 den Bericht zur Lage der Natur in
Deutschland vorgestellt und dabei uns Landwirten massive Vorwürfe gemacht mit
unserer Arbeit die Artenvielfalt in unserer Kulturlandschaft zu zerstören. Wir haben uns
schon seit Längerem mit dieser Thematik auseinandergesetzt, diesen Bericht zu
hinterfragen und wo nötig Lösungen zu erarbeiten.
Entgegen unserer Erwartung hatten wir dabei mit den Mitarbeitern des
Landwirtschaftsreferates des BMU, besonders mit Herrn Klingenstein und mit dem
Referatsleiter für Naturschutz Herr Tumbrink, sehr sachliche und lange Gespräche geführt.
Eingebunden in diese Gespräche waren auch die Leiter der biologischen Stationen in
Nettersheim und Vreden.
Darüber hinaus konnten wir uns mit Wissenschaftlern austauschen. Leider erwiesen sich
die Gespräche mit den Umwelt-NGOs als nicht konstruktiv.

2. Geschichte
Um die Entstehung der Artenvielfalt zu verstehen, ist es unerlässlich, in die Geschichte
unseres Landes zurückzublicken.
Bis zum Ende der Eiszeit war nahezu die gesamte Vegetation in unserem Land
verschwunden. Mit dem Rückzug der Gletscher ist dann eine neue Vegetation aus den
südlichen und den südöstlichen Regionen bei uns eingewandert. Diese Vegetation war
geprägt von Wald. In der folgenden Darstellung haben Korneck et. al. die Entwicklung der
Pflanzen in den letzten 4000 Jahren dargestellt:
Wesentlich ist, dass die „Urvegetation“ nicht die große Artenvielfalt gebracht hat. Erst die
Rodungen der Wälder und die anschließende Kultivierung der Flächen hat zu der
Artenvielfalt geführt, die wir uns heute wünschen. Bis zum Beginn des 19. Jh. basierte die
Lebensgrundlage der Menschen auf der Nutzung von Holz und Torf und Humus. Über
mehrere Jahrhunderte sorgte mit der zunehmenden Bevölkerung diese Ausbeutung der
Natur dafür, dass sandige Standorte derartig verarmten, dass dort nur noch Heide wuchs. Die
guten nährstoffreichen Böden waren noch nicht so extrem ausgelaugt. Die Erträge ließen
aber dort auch erheblich nach. Gut, dass Justus von Liebig nun entdeckt hat, dass die
Pflanzen mit Düngung besser wachsen. Mit seiner Minimumtonne machte er allen
Landwirten klar, dass der Nährstoff, der im Minimum ist, die Höhe des Ertrages bestimmt.
Außerdem wurde Holz als Brennstoff meist durch Kohle ersetzt. Die weniger produktiven
Standorte, die zu dieser Zeit oftmals auch keinen Eigentümer hatten, konnten sich nun
erholen und reagierten mit einem Boom an Artenvielfalt durch Pflanzen, die auf den
ausgelaugten Böden wenig Konkurrenz ausgesetzt waren. Um 1850 gab es viele Naturkundler,
die die Artenvielfalt der Natur beschrieben haben. Diese Aufzeichnungen dienen heute als
Basis für die Rote Liste.3. Datenermittlung zum Bericht zum Zustand der Natur
In Deutschland kommen nach derzeitigem Kenntnisstand ca. 48000 Tier-, ca. 10300 Pflanzenund
ca. 14400 Pilzarten vor. Da alle Arten oft sehr spezielle, in ihrer Biologie begründete
Ansprüche an die Umwelt haben, sind die Arten/Biodiversität ungleichmäßig verteilt. Hinzu
kommt, dass in Siedlungsgebieten Arten gezielt durch Menschen kultiviert werden, was
paradoxerweise zu einer oft höheren Artenvielfalt in den Städten führt.
Zur Datenerfassung ist Deutschland in einem Raster aufgeteilt. Für jedes Raster wird dann
von Artenkennern/Kartierern/Ehrenamtlern das Vorkommen von Arten ermittelt. Bei der
Häufigkeit des Vorkommens einer Art geben diese Kartierungen keine zuverlässigen Hinweise.
Bisher gibt es nur belastbare Erkenntnisse bei Vögeln und Pflanzen.
Die Insekten sind erst mit der Krefelder Studie in den Fokus gelangt. Hier wird nun ein neues
Monitoring aufgebaut, wobei es lohnt, da genauer hinzuschauen. Einige Wissenschaftler, z.B.
Prof. Dr. Thomas Farthmann (NRW), halten Heuschrecken und Schmetterlinge für
Zeigerinsekten und möchte diese regelmäßig zählen. Andere, z.B. Dr. Sorg, sehen da
Probleme, weil nie am gleichen Tag, zur gleichen Stunde und mit dem gleichen Wetter in
ganz Deutschland gezählt werden kann. Außerdem haben die Insektenpopulationen noch
eine wesentliche höhere Dynamik als Pflanzen und Vögel. Ein Unwetter(das kann auch
Trockenheit oder Kälte sein) zur falschen Zeit kann eine Art für ein Jahr nahezu ausschalten.
Dr. Sorg hält die Malaise Falle, aufgestellt über die ganze Vegetationsperiode, für den derzeit
besten Weg die vorhandene Insektenpopulation zu bestimmen. Doch auch hier muss jedem
bewusst sein, dass immer nur ein kleiner Ausschnitt der Insektenwelt betrachtet wird. Das
Maximum, welches eine Malaise Falle bisher dargestellt hat, sind ca. 3000 Insektenarten.
Aber mindestens 33000 Insektenarten sind bisher bekannt!
Anders als bei der Roten Liste wurde als Zielwert für die Artenvielfalt ein Vergleichswert aus
dem Zeitraum 1970-1975 genommen. Bis zum Jahr 2030 sollte dieser Vergleichswert wieder
erreicht werden. Bei allen Datenerfassungen von 1990 bis heute erreichen wir nahezu konstant nur 70% dieses Vergleichswertes. Wenn es uns nicht gelingt da besser zu werden,
droht uns ein Vertragsverletzungsverfahren der EU wie bei der Düngeverordnung.

4. Rote Liste

Es gibt eine offizielle Rote Liste der EU und eine für Deutschland. Die Naturschutzverbände
unterhalten eigene Rote Listen und versuchen die offiziellen Listen zu erweitern um mehr
Arten unter Schutz zu stellen.
Die heute ausgestorbenen Arten der Rote Liste sind fast alle vor mehr als 30 Jahren
verschwunden.
Hier stellt sich die Frage, wie lange wir diese ausgestorbenen Arten noch in der Liste halten
wollen. So lange wie unsere Erde existiert, ist sie im Wandel. Immer wieder kommen neue
Arten hinzu und sterben andere aus. Dieser Trend gilt bis heute. Unerreichbare Ziele können
keine Grundlage für einen sinnvollen und effektiven Artenschutz sein.
Wenn bei einer Art die unter Schutzstellung erfolgreich ist und sich die Population erholt hat
(z.B. Gänse und Wolf) sollten wir den Mut haben, diese Arten auch wieder in der Menge zu
steuern. Auch müssen wir uns fragen, ob wir alle aus unserer Natur verschwundenen Arten
wieder haben wollen, wenn die derzeitigen Bedingungen dagegenstehen. Die Klima und
Umweltbedingungen von 1850 wieder herzustellen, ist nicht möglich und auch nicht sinnvoll.

5. Problem Rückgang der Pflanzenvielfalt
Im Bericht zur Lage der Natur ist beschrieben, dass mehr als die Hälfte der gefährdeten
Pflanzenarten armutsliebende Pflanzen sind. Das heißt, dass diese Pflanzen keine
Konkurrenzkraft zu den heute im Futterbau beliebten Süßgräsern haben. Im besonderen
Focus stehen hier die früher vermehrt vorgekommenen Magerwiesen.
Die heute gerne angebauten Süßgräser sind so beliebt, weil man mit ihnen aufgrund der
höheren Nährwerte und der höheren Erträge die Tiere besser füttern kann. Für eine
wirtschaftliche Milchproduktion sind diese intensiven Grünlandflächen unter den heutigen
Bedingungen unerlässlich.
In vielen Regionen wird über das Förderprogramm des Kulturlandschaftspflegeprogramms
versucht, Grünland zu verarmen um diesen armutsliebenden Pflanzen wieder eine Chance zu
geben. Besonders auf leichten Böden sind dabei Erfolge zu verzeichnen. Auf besseren
Standorten sind diese Erfolge auch nach einigen Jahrzehnten bisher ausgeblieben. Hier
reichen die starren Regeln der Förderprogramme nicht aus. Denkbar ist auch, dass z.B. ein
Mangel an Kali den Abbau von Stickstoff derart begrenzt, dass deshalb die Erfolge ausbleiben.
Das wesentliche Problem, weshalb die Artenvielfalt auch auf Flächen zurückgegangen ist, die
keiner intensiven landwirtschaftlichen Nutzung unterliegen, ist der Stickstoffeintrag über die
Luft. Hier gibt es zwei Eintragsrouten. Eine über die Stickoxyde, die im Wesentlichen aus
Verbrennungsvorgängen stammen und mit dem Regen in die Böden ein waschen. Der zweite
Weg ist das Ammoniak, welches der Landwirtschaft zugeschrieben wird. An der Minimierung
dieser Ammoniakemissionen wird seit Jahrzehnten intensiv gearbeitet. Siehe
Einarbeitungsfristen in den vergangenen DüVo.

Das Bundesamt für Naturschutz führt zu den Stickstoffeinträgen Statistiken seit 1990. Diese
Nährstoffeinträge finden verstärkt in der Nähe der Quellen statt. Das bedeutet, dass die
Stickoxyde, abhängig vom Wind, in der Nähe von Verkehrsstraßen, Gewerbebetrieben und
Ballungsräumen emittieren. Diese Stickoxyde stammen nur zu 8% von der Landwirtschaft.
Die Ammoniakemissionen treten dagegen auf dem Land bei Tierhaltungsbetrieben, der
Gülleausbringung und der Düngung auf.
1990 wurden so im Durchschnitt insgesamt für ganz Deutschland 43,1 kg N/ha über die Luft
auch auf die Naturschutzflächen gedüngt. Zu der Zeit stammte der überwiegende Teil der
Emissionen aus der Gesellschaft und nicht aus der Landwirtschaft. Da fast alle
ausgestorbenen Pflanzen der Zeit vor 1990 zuzuschreiben sind, müssen wir diese Verluste
diesen Emissionen zuschreiben. Seit 2018 sind es zwar nur noch 24,6 kg N/ha, jedoch
summieren sich vor allen Dingen auf Flächen, bei denen es keine Nährstoffabfuhren gibt,
diese Nährstofffrachten auf, so dass sich nährstoffliebende bzw. tolerierende Pflanzen
durchsetzen und die nährstoffarmutliebenden einfach verdrängen.
Der Seite der Landwirtschaft muss man zugestehen, dass sich die Ammoniakemissionen nicht
wesentlich verringern lassen. Dort ist durch Aktualisierungen der DüVo und
dementsprechend kürzeren Einarbeitungfristen für Wirtschaftsdünger kaum noch Spielraum
für Verbesserungen vorhanden.
Andere Pflanzen benötigen besondere Ansprüche an der Wasserversorgung. Durch den
Zuwachs der Bevölkerung, der Industrie und dem Bergbau haben sich vielerorts die
Grundwasserabstände geändert, was diesen Pflanzen die Lebensgrundlage geraubt hat. Auf
alten Truppenübungsplätzen haben die Panzer mit Bodenverdichtungen die Bodenstruktur
und damit die Wasserführung derart gestört, dass diese Pflanzen hier eine Heimat gefunden
haben.

6. Problem Rückgang der Feldvögel
Hier stehen Kiebitz, Lerche und das Rebhuhn im Fokus. Bei den Gesprächen mit den Leitern
der biologischen Stationen wurde klar, dass besonders bei den Bodenbrütern insgesamt
starke Rückgänge zu verzeichnen sind. Auch in der Eifel bei Nettersheim, wo ansonsten die
Natur mit artenreichen Wiesen und schönen Strukturen in Ordnung scheint, geht es dem
Wiesenpieper schlecht. Es gibt hier, wie auch in Vreden, kein Monitoring, wann und wodurch
die Bruterfolge später verschwinden.
Wir Landwirte beobachten bei unserer Arbeit auf den Feldern den massiven Druck auf die
Bodenbrüter durch Prädatoren. In Studien haben Gottschalk&Beeke 2014 und Olesen 2017
gezeigt, dass bei Rebhühnern die Sterblichkeit der erwachsenen Vögel fast ausschließlich
durch Prädatoren verursacht werden. Der Leiter der biologischen Station Nettersheim sieht
es unter Biologen als erwiesen an, dass weitere Gehölzstrukturen in einer offenen
Agrarlandschaft den Prädatoren gezielte Angriffspunkte liefern und von daher abzulehnen
sind. Im Naturpark an den Küsten gibt es erst wieder nachhaltige Bruterfolge, seit dem die
Prädatoren von den Gelegen ferngehalten werden.
Bis in die 1960er Jahren wurden alle Prädatoren sehr intensiv bejagt und leider auch vergiftet,
so dass einige Greifvögel nahezu ausgerottet waren. Gleichzeitig waren die Populationen der
Feldvögel und anderem Niederwild um 1970 auf einem Höhepunkt. Auch wenn viele Naturschützer das Thema Prädatoren nicht als relevant akzeptieren
einen Zusammenhang und erwarten
aufgenommen wird.
In der Nähe von Siedlungsgebieten stören regelmäßig Menschen
Ruhe an den Feldrändern. Gerade die Wegrandbereiche gelten als wichtige Biotope
den Lebensräumen der Feldvögel und des Nieddenen dort diese Lebensräume.

7. Problem Rückgang der Insektenvielfalt und der Masse
Im Gespräch mit Dr. Sorg vom Entomologischen Verein Krefeld wurde klar, dass Insekten nach
wie vor einer großen Dynamik unterliegen.
bedeutet: starke Winde, viel Regen oder extremer Frost. Für die Insekten kann es schon eine
trockene Phase zur falschen Zeit oder etwas kühleres oder nasses Wetter sein. So hatten wir
2020 im Süden Deutschlands ei
haben sich dort der Eichenprozessionsspinner und der Borkenkäfer rasant vermehrt und
massive Schäden angerichtet. In Afrika kam es aufgrund von außergewöhnlichen Regenfällen
zu einer gigantischen Heuschrecken
chemischen Mitteln gezielt Schadinsekten bekämpft werden, hätte der Kartoffelkäfer für
erhebliche Ertragsausfälle gesorgt, wenn eine Bekämpfung nicht möglich gewesen wäre. Im
Rübenanbau haben die nun ein
erheblichen Virusübertragungen durch Läuse geführt und damit zu Ertragseinbußen
viele Jahre nicht kannten. Wir Landwirte können auch nicht erkennen, wem dieser
Läusebefall genutzt hat.
Wegen dieser Populationsdynamik waren die Insekten bisher kaum i
Naturschutzes. Das hat sich mit der Krefelder Studie geändert. Dr. Sorg und seine Kollegen
haben mit dem Einsatz von Malaisenfallen bewiesen, dass die Masse an Insekten von 1990 bis
2016 um 75% abgenommen hat. Leider haben die Verfasser unnötigerweise eine
logarithmische Darstellung für die Studie gewählt, die eine differenziertere Interpretation der
Studie erschwert.
akzeptieren, sehen wir eindeutig
erwarten, dass dieses Thema bei den Kartierungsmaßnahmen mit
Menschen, die Hunde ausführen
Niederwildes gehören. Diese Störungen nehmen
Eine Definition für Unwetter bei Menschen
eine Mückenplage und im Nordwesten kaum Mücken. Dafür
Heuschreckenplage. Auch im Ackerbau, wo seit Jahrzehnten mit
eingeschränkten Möglichkeiten der Läusebekämpfung sofort zu
n im Fokus des rungsmaßnahmen ausführen, die
Biotope, die zu
erwildes esten geschränkten Ertragseinbußen, die wir
realitätsnah

Das ermöglicht uns nun differenzierter auf diese Studie zu schauen.
Wir sehen 2 Trendlinien mit einzelnen Jahren, die deutlich über diesen Linien liegen. Wir
haben diese Jahre mit den Bodenfeuchtigkeitskarten bis 25 cm des Helmholz Instituts
verglichen und festgestellt, dass diese guten Jahre für die Insekten mit den trockenen Jahren
im Oberboden zusammenfielen. Diese trockenen Jahre sind fast auch immer
überdurchschnittlich warme Jahre.

8. Problem Wolf und Wald
Ein Argument für den Wolf, das der NABU immer wieder vorträgt ist, dass der Wolf die
Populationen von Schalenwild ( Reh, Hirsch …) drastisch reduziert und damit der
artenreichen Naturverjüngung im Wald eine Change gibt. Das ist auch richtig.
Aber auch ein Wald mit der artenreichsten Baumvielfalt kann nicht mit der Biodiversität
einer Kulturlandschaft mit wechselnden Biotopen konkurrieren.
1) Zitat Prof. Kunz: „Die Wiederbewaldung Mitteleuropas seit dem 19. Jahrhundert muss an
erster Stelle genannt werden, wenn eine Erklärung für den Artenschwund gesucht wird.“

DaSeltene Pflanzen und viele Insekten leben nicht im Wald sondern in offenen Flächen. Seit
mindestens 30 Jahren sind Saumstrukturen in der Landschaft geschützt. Durch die Regelung
der Ausgleichsmaßnahmen für neue Baumaßnahmen kommen ständig neue
Gehölzstrukturen hinzu. Prof. Kunz sieht die weitere Bewaldung in Deutschland heute schon
als einen Grund für den Rückgang der Artenvielfalt an.
Neben der Beweidung offener Flächen durch Schalenwild erschwert, oder wenn die
Wolfpopulation noch größer wird, müssen wir sagen, verhindert der Wolf auch die
Beweidung der Kulturlandschaft durch Rinder und Schafe. Es ist aber nachgewiesen, dass
gerade die Beweidung sich auf vielfältige Art und Weise positiv auf die Biodiversität auswirkt.
Das fängt an bei den Kuhfladen, die durch Insekten zersetzt werden und endet bei der
Erhaltung der Heideflächen durch Schafe.
Die größte Artenvielfalt gab es in Deutschland als es den Wolf nicht mehr gab!
Wir denken, dass in der Bilanz der Zugewinn an Biodiversität durch den Wolf deutlich kleiner
ist als der Verlust an Biodiversität, die durch den Wolf verursacht wird. Hinzu kommt noch
der wirtschaftliche Schaden, den der Wolf in den Tierhaltungen durch Schutzmaßnahmen
und Verluste anrichtet.s Jahr 1989 wird in anderen Studien (z.B Gallatha) als ein besonders insektenreiches Jahr
beschrieben.
Dann bleibt noch der Bruch um 2006. Damals hat die Zeitschrift GEO über ein mysteriöses
Bienensterben in der nördlichen Halbkugel berichtet. Nun hat auch der NABU Baden-
Württemberg in einer Metastudie festgestellt, dass Mobilfunkstrahlung einen Einfluss auf
die Orientierung von Insekten hat und Calcium als Botenstoff negativ beeinflusst. Im Jahr
2000 wurden die UMTS(3G) Lizenzen versteigert und gingen dann 2006 in Betrieb. Alle
späteren Versteigerungen von Funkfrequenzen hatten nach dieser Krefelder Studie keine
negativen Auswirkungen mehr. In Kürze soll 3G abgeschaltet werden. Wir fordern, dass eine
Neuzuteilung dieser Frequenzen erst nach einer gründlichen wissenschaftlichen
Untersuchung auf negative Auswirkungen auf Insekten erfolgt.
Wenn man folglich die klimatischen Ausnahmejahre und den noch zu erklärenden Bruch
2006 herausrechnet, bleibt noch ein Rückgang bei der Insektenmasse von unter 10 %, an
dem die Landwirtschaft neben dem Klimawandel, der Lichtverschmutzung und den
gesellschaftlichen Einflüssen für seinen Einfluss gerade stehen will.
Nun ist noch festgestellt worden, dass bei Messungen auf der Schwäbischen Alb weniger
Wanderinsekten in die Fallen gehen. Insbesondere Schwebfliegen. Diese wandern vor dem
Winter in wärmere Gebiete. Als Grund für das Ausbleiben wird wieder die Landwirtschaft
vermutet. Wir sehen mögliche Gründe im Klimawandel, weil die Insekten wegen der
wärmeren Winter nicht mehr den Bedarf für eine weite Reise sehen, oder in der mangelnden
Orientierung wegen der Mobilfunkwellen.
Die Landwirtschaft hat schon sehr zeitnah auf die Ergebnisse der Krefelder Studie reagiert.
Zum Beispiel wurden Blühstreifen an den Feldern angelegt. Allerdings fehlen uns für ein
gezieltes Gegensteuern, Informationen, welche Insekten besonders betroffen sind und
welche Ansprüche diese Insekten haben. Hierzu erwarten wir schon seit 3 Jahren Ergebnisse
aus der Auszählung der Proben, die beim Entomologischen Verein in Krefeld lagern.

9. Naturschutzgebiete Bedeutung für den Artenschutz
Wir gehen davon aus, dass mittlerweile alle Bereiche unserer Kulturlandschaft, die
besonders wichtig für den Artenschutz sind, auch unter Schutz gestellt worden sind. Herr
Tumbrink von BMU, der öfter darauf hingewiesen hat, dass sein Wort zählt, hat versichert,
dass die geschützte Gebietskulisse für eine intakte Natur ausreicht, und das BMU keinen
Bedarf für eine Erweiterung der geschützten Gebiete sieht.
Der Bericht zur Lage der Natur zeigt aber, dass viele Naturschutzgebiete nicht den
Erwartungen entsprechen. Es reicht nicht aus Naturschutzgebiete sich selbst zu überlassen.
Durch die Tatsache, dass die bekannte Artenvielfalt in Mitteleuropa auf aktive Eingriffe
zurückgeht, führt ein „sich selbst Überlassen“ immer zu einem Rückgang der Arten. Weil
viele wichtige Arten nicht konkurrenzfähig sind, müssen diese aktiv geschützt werden. Diese
Arten müssten dann quasi „angebaut“ werden, um sie zu erhalten.
Warum entspricht der Zustand der Natur in so vielen Naturschutzgebieten nicht unseren
Erwartungen?
Wir haben zum Beispiel Grünlandflächen gesehen bei denen sich auch nach 25 Jahren bei
Ernten ohne Düngung keine artenreiche Magerwiese eingestellt hat. Die Experten, denen wir
das gezeigt haben, haben andere Maßnahmen vorgeschlagen um da eine artenreiche Wiese
zu erreichen. Derzeit gibt es zu wenige Initiativen, dass Naturschutzgebiete zielgerichtet
verbessert werden. Häufig ist die einzige Ursache, warum der Artenschutz nicht funktioniert,
der, dass das Habitat für den Zielorganismus nicht stimmt! Hier muss zielorientiert und
teilweise auch sehr divers vorgegangen werden.
So können wir viele Zielkonflikte feststellen:
- Eine spät geschnittene Wiese zum Schutz der Bodenbrüter kann in der Zeit kein
Jagdrevier für den Steinkauz sein.
- Je später Grünland geschnitten wird, umso weniger Stickstoff wird abgefahren.
- Bei einer hohen Menge an Prädatoren können Bodenbrüter sich nicht ausbreiten.
- Armutsliebende Pflanzen aus der roten Liste werden sich nicht auf guten,
humusreichen Böden entwickeln.
- Dichter und sich selbst überlassener Bodenbewuchs liefert weniger Insektenmengen
und -qualitäten.
- Usw.
Wenn z.B. Grundwasserstand durch gesellschaftlichen Wandel gesunken ist, muss man die
möglichen Ziele auch anpassen. Wasserliebende Pflanzen können dann nicht mehr das Ziel
sein.
Der Nitrateintrag durch die Luft hat die Konkurrenzsituation in vielen Naturschutzgebieten
erheblich verändert und zum Rückzug vieler seltener Pflanzen gesorgt. Es werden kaum
Versuche unternommen, um diese Nährstofffrachten zu entnehmen.

10. Maßnahmen zum effektiven Naturschutz
Naturschutz über globale Programme von Berlin aus zu steuern, ist zum Scheitern verurteilt.
Zu unterschiedlich sind in unserem vielfältigem Land die Bedingungen und die Ziele. Auch
die wirtschaftlichen Bedingungen zu denen Landwirte bereit sind, Naturschutz zu betreiben,
sind regional sehr unterschiedlich. Wir brauchen regionalen Naturschutz mit realisierbaren
Zielen. Wenn sich seit 1850 regionale Bedingungen massiv geändert haben, muss ein Ziel,
eine Art wiederzubekommen, verworfen werden.
Wir schlagen vor, nach dem Vorbild der Wasserkooperationen regionale
Naturschutzkooperationen zu bilden, die für die Region oder auch für einzelne kleine
Bereiche Naturschutzziele festlegen und dann auch individuelle Maßnahmen incl.
Finanzierungsaufwand entwerfen um diese Ziele zu erreichen. Diese
Maßnahmenvorschläge würden dann den Fachbehörden (in NRW das LANUV) mit
Finanzierungsaufwand zur Genehmigung vorgelegt und könnten dann umgesetzt werden.
Die Regierung müsste die Finanzierung dieser Naturschutzmaßnahmen sichern.
Abgeleitet aus diesem Wissen/den Fakten haben wir wirksame Ansatzpunkte erarbeitet, um
effektiv etwas für die Natur und den Artenschutz zu erreichen:
- Naturschutz bedeutet nicht Artenschutz und erst Recht nicht Insektenschutz!
Im Naturschutz werden in den meisten Fällen die derzeitigen Zustände erhalten bzw.
geschützt. Um zielgerichtet Artenschutz in Schutzgebieten erreichen zu können, sind
massive Bearbeitungen und Eingriffe notwendig, welche zurzeit nicht vorgesehen und
auch gesetzlich gar nicht möglich sind. Hier MUSS mehr in Richtung Artenschutz
gedacht werden. Und es müssen dazu gesetzliche Möglichkeiten geschaffen werden.
Man muss darüber diskutieren, ob Naturschutz mehrwert hat als Artenschutz oder
Insektenschutz - Auch müssen geeignete Zielwerte in Bezug auf Biodiversität entwickelt werden für
Naturschutzgebiete genauso wie für Ackerflächen und allen anderen Nutzungsformen.
Erst dann können zielgerichtet Maßnahmen entwickelt und überprüft werden.
- Zitat Prof. Kunz: „Die Wiederbewaldung Mitteleuropas seit dem 19. Jahrhundert muss
an erster Stelle genannt werden, wenn eine Erklärung für den Artenschwund gesucht
wird.“ Gerade im Wald wäre ein großer Ansatz um insektentechnisch etwas zu
erreichen. Kleine, offen gehaltene Inseln mit wenig oder spärlicher Vegetation zu
schaffen, wäre ein richtiger Ansatz. Hier bedarf es gesetzlicher Grundlagen
(Walderhaltungsgebot) und gezielter Förderung!
- Mehrjährige, qualifizierte, ortsangepasste Blühstreifen mit verpflichtender Mahd
und Abfuhr des Aufwuchses. Dadurch sollen diese Flächen langsam nährstoffärmer
und artenreicher werden. Im Idealfall kombiniert mit einem Schwarzbrache-Streifen
oder Insektenwällen. Die notwendigen Mahdzeitpunkte können dabei sehr
unterschiedlich sein und müssen nach guter fachlicher Praxis erfolgen: so kann eine
frühe Mahd notwendig sein, um viel Stickstoff zu entziehen.
Diese Streifen sind sowohl für Randbereiche von Ackerschlägen interessant, als auch
für die Teilung von großen Ackerschlägen. So können mit gleicher oder ähnlicher
Einsaat und Pflege ganz unterschiedliche Arten gefördert werden.
 Hier ist eine starker finanzieller Anreiz notwendig, um für diese aufwendigen
Umweltleistungen eine Akzeptanz in der Landwirtschaft zu schaffen!
- Sehr viele Insektenarten benötigen neben der passenden Nahrung, auch offene
Bodenstrukturen, welche nicht zuwachsen, damit die Sonne sie zügig erwärmen kann.
Die schnellste Möglichkeit dieses zu erreichen, ist Schwarzbrachen anzulegen. Hier
bedarf es gezielter Förderung!
- Mit dem Wissen um die Habitat Ansprüche von zum Beispiel Feldhamstern oder
Grauammern wäre es grundsätzlich möglich, diese auf landwirtschaftlichen Flächen
„anzubauen“. Dafür sind zwei Dinge jedoch absolut notwendig: Erstens ist es nicht
mehr möglich auf diesen Flächen auskömmliche Erträge zu erwirtschaften; Also muss
dieser „Anbau“ wirtschaftlich interessant sein. Und zweitens muss sichergestellt sein,
dass diese für die Natur optimierten Flächen nicht unter Schutz gestellt werden.
- Damit ein Vernetzungs-Effekt möglich wird, ist es notwendig, dass alle oder möglichst
viele Landwirte an biodiversitätsfördernden Maßnahmen teilnehmen. Hier können
über die EU Agrarprämie Anreize geschaffen werden. Für den Insektenschutz ist eine
mehrjährige Ausrichtung von Blühangeboten und anderen ökologischen Angeboten
wichtig. - Änderung der Bewirtschaftung und Pflege von Ackerrändern, Wegerändern und
Uferbewuchs. Kein Mulchen mehr, sondern Mähen und Abfahren. Auch hier geht es
darum durch Nährstoffabfuhr der Eutrophierung entgegen zu wirken und den
Artenreichtum zu fördern. Auch hier sollte man über frühe Mahdtermine nachdenken,
um Nährstoffe aus dem System herauszubekommen.
Eventuell muss man auch über historische Bearbeitungsmöglichkeiten, wie zum
Beispiel Abbrennen von Teilflächen, nachdenken. Vielleicht im Anschluss mit gezielter
Einsaat oder Pflanzung von seltenen Pflanzen.
- Prädation ist ein ideologisch vollkommen unterschätztes Problem. Die Ursache für
unsere Artenvielfalt ist und war in den letzten Jahrhunderten in Mitteleuropa immer
ein aktives Eingreifen in die Natur durch den Menschen. Dieses gilt natürlich auch für
die Fressfeinde der Arten, die wir schützen wollen. Oft wird in Schutzgebieten die
Jagd sogar untersagt oder stark eingeschränkt; erwähnt werden muss hier das
Problem der eingewanderten Arten und auch die vollkommen außer Kontrolle
geratene Gänseproblematik muss hier angesprochen werden. (vgl. Prädation beim
Rebhuhn: Gottschalk & Beeke 2014, Olsen 2017)
- Abschaffung der Umbruchnotwendigkeit von Grünland, damit Flächen nicht ins
Dauergrünland wandern. Alle Dauergrünlandflächen sind bekannt und kartiert. Jeder
unnötige Umbruch vermindert Insektenmengen und setzt unnötig Nährstoffe frei.
- Akteursvielfalt erhält mehr Biodiversität! Je mehr Bauern oder andere
Landbewirtschafter es gibt, umso vielfältiger werden die Flächen bewirtschaftet.
- Überprüfung der derzeitigen Ausgleichsmaßnahmen für Bauvorhaben. Sowohl was
den Ausgleich des Biodiversitätsschadens angeht, als auch was die Qualität der
Ausgleichsmaßnahme angeht. (meistens wird nur Wald oder Einzelbäume
angepflanzt)
Auch muss die Entsiegelung konsequent vorangetrieben werden und weitere
Versieglung darf nur dort erfolgen, wo es zwingend notwendig ist.
- Evaluation von allen Maßnahmen: in regelmäßigen Abständen, müssen alle
angewandten Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit hin überprüft werden.
Bei unserem Maßnahmenpaket haben wir uns ausdrücklich nur auf Maßnahmen beschränkt,
welche im Wesentlichen mit politischem Willen und etwas Geld durchführbar sind – ohne
dabei die Ernährungssicherheit und den Erhalt der deutschen Landwirtschaft zu gefährden.
Für Rückfragen stehen wir zur Verfügung!

LsV Fachgruppe Insektenschutz und Biodiversität:

Frank Kisfeld (Sprecher) NRW

Inke Magens Schleswig Holstein

Christa Maria Wendig Mecklenburg Vorpommern

Milva Iderhoff Niedersachsen

Gerit Brockmann Thüringen

Thies Kruse Schleswig Holstein

Werner Schleupen NRW

Xaver Pfaller Bayern

Thomas Essig Brandenburg

Helge Beckurs Sachsen Anhalt

Alexander Kern Baden Württemberg

insektenschutz@landschafftverbindung.de
+49 173 8846511

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